|
Prolog
Es knarrte, es schlug, es türmte sich neben dem Schiff auf, um dann auf
dieses mit nie erlebter Wucht niederzuschmettern.
Seit Tagen waren sie nun unterwegs und seit Tagen tobte das Wetter sich
aus. Er hatte das Gefühl in der Hölle zu leben, welche aus Wasser und Gicht,
knarrendem Holz und großen Wellen bestand. Viele waren sie nicht mehr auf dem
Schiff, welches stetig auf die Küste zu trieb. So mancher war gestorben. Aber
das war der Preis, den er zahlen musste.
Und wieder schlug eine Welle über die Reling, traf den Mast. Dieser, von
den vielen Schlägen bereits geschwächt, brach zusammen. Im Fallen prallte er
auf das blanke Holz und riss dieses mit sich in die todbringenden Wogen.
Schreie ertönten, als einige Matrosen ins Meer stürzten.
Bis jetzt hatte er Glück gehabt, verdammtes
Glück. Er hatte das Gefühl, dass ihn etwas beschützen würde. Er stand im Rahmen der Kajütentüre und hielt sich, so
gut es ging, fest. Würde er loslassen, wäre er verloren.
Wie die Anderen würde er davon geschleudert und von einer Welle mitgerissen werden.
Trotzdem
empfand er keinerlei Angst. Die Mächte, welche hier im Spiel waren, hatten auf
ihn eher einen anderen Effekt: Sie schienen ihm Kraft zu geben.
Das Schiff schwankte stark von einer Seite auf die andere, nach rechts
und wieder nach links, und rechts und links … nach oben, nach unten.
Halt, da war doch was ..., dachte
er.
Es schwankte weiter.
Hast du dich auch wirklich nicht getäuscht?
Nein, da war wirklich was.
Man konnte es ganz deutlich riechen. Rauch
– schoss es ihm durch den Kopf. Und dann sah er ihn auch. Er kam von unten, aus
der Kajüte.
„Feueralarm“ schallte es über das Deck. Er hatte panische Angst vor dem
Feuer. Ihm wurde schwindlig, es fröstelte ihn und er musste sich übergeben. Nur
mit Mühe konnte er atmen.
Feuer - der Tod! Alles verschwamm vor seinen Augen. Doch er sah sich
urplötzlich in die Wirklichkeit zurückgeholt, als hinter ihm die Kajütentüre mit Wucht aufschlug
und ihn nach vorne schleuderte.
Aus. Tod. Alles vorbei!
Er fiel hin, rappelte sich wieder auf,
stolperte und wurde nur noch durch die schützende Reling davor bewahrt, direkt
ins Meer zu stürzen. Das Schiff schwankte weiter. Kaum stand er wieder auf den
Füßen, so fiel er wieder hin und rutschte über den Plankenboden, Richtung Meer,
Richtung todbringende Wogen. Hinter ihm begann sich eine neue Welle
aufzutürmen. Er spürte sie in seinem Rücken. Sie konnte jederzeit über das
Schiff hereinbrechen und ihn mit sich reißen.
Rechts, links.
Das Schiff beugte sich zur anderen Seite. Dadurch wechselte auch er die
Richtung. Genau auf den Anker zu, der noch an seiner Kette und somit auch noch
am Schiff befestigt war. Das war seine Chance, seine vielleicht einzige
Möglichkeit zu überleben. Er musste versuchen sich daran festzuhalten, bevor
die Welle über das Schiff hereinbrach. Er schlitterte direkt darauf zu, spürte
jedoch, dass das Schiff bereits wieder am kippen war. Mit letzter Kraft und all
seinem Mut stand er halbwegs auf, sprang auf den Anker zu und umklammerte ihn
in dem Moment, wo die Welle über sie hereinbrach. Er wurde herumgeschleudert,
schlug sich die Seiten wund, hielt sich jedoch mit beiden Händen fest.
Das Wasser überschwemmte das Deck und wich wieder zurück. Sein
Blick ging nach hinten, während das Schiff weiterschwankte. Er hatte es geschafft, er lebte. Ein neues Gefühl breitete sich in ihm
aus, ein Gefühl der Freude. Und aus dem Augenblick der Angst wurde Stärke und
Hoffnung. Wenn er diese Welle überlebt hatte, so konnte er auch die anderen
überstehen.
Er würde kämpfen, so lange er konnte und würde überleben, das wusste er
nun mit Sicherheit. Die Arme taten ihm weh, die Muskeln waren so hart und
verbittert wie er selbst. Er sah, wie sich die nächste Welle auftürmte, bevor sie
das Schiff überschwemmte. Und wieder eine, wieder und wieder ...
Ja, er würde überleben.
Und er würde sich rächen, fürchterlich
rächen für alles, was man ihm dazumal angetan hat. Die Zeichen standen auf
Sturm.
Sein Reich würde kommen und sein Wille geschehen.
|